Rebekka Bakken: „Most Personal“

VÖ: 16. September 2016, Universal

„most personal“ nennt sich Rebekka Bakkens neues Album, auf dem sie erstmals auf ihr Werk zurückblickt. Zwei CDs voll mit ihren liebsten Liedern. Damit es auch einen Ausblick auf die Zukunft gibt, hat Bakken fünf unveröffentlichte, bzw. neue Tracks hinzugefügt.

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„Der heterosexuelle weiße Mann hat Angst vor seiner eigenen Gefühlswelt und wird von meinen Harmonien oft hinterrücks überrascht. Er hat Angst sich darauf einzulassen, weil er vielleicht gleich losheulen könnte wie ein Mädchen.“

Das sagte 2007 die große Joni Mitchell, die wie keine andere sublime Songs in einem Personalstil kreiert, der Folk, Jazz und Pop anstrengungslos verbindet.

Die 1970 in Oslo geborene Liedermacherin und Sängerin Rebekka Bakken, die ebenfalls ein überwiegend weibliches Publikum hat, könnte ähnliches beklagen. Tut sie aber nicht, ganz getreu ihrer 2006 zum Albumtitel gewordenen Devise „I Keep My Cool“.

2003 gab sie mit „The Art Of How To Fall“ ihr umjubeltes Plattendebüt. Seither ist viel passiert. Bedachtsam komponierte fünf Alben und ein fantastisches Coveralbum von Tom-Waits-Liedern hat sie seither veröffentlicht. Nun ist es an der Zeit das Geschaffene Revue passieren zu lassen. „most personal“ nennt sich ihr neues Album, auf dem sie erstmals auf ihr Werk zurückblickt. Zwei CDs voll mit ihren liebsten Liedern. Damit es auch einen Ausblick auf die Zukunft gibt, hat Bakken fünf unveröffentlichte, bzw. neue Tracks hinzugefügt.

Mit wunderbarer Sprödheit hat sie sich all die Jahre gegen Etiketten wie „die europäische Norah Jones“ gewehrt. Die großgewachsene Norwegerin weiß, sie ist eine eigene Entität. „Ich möchte immer an die Grenzen meiner Musikalität gelangen. Falls das nicht gelingt, fühle ich mich schlecht. Ich habe zwar gelernt, die Sache nicht ganz ernst zu nehmen, aber das gelingt letztlich nicht. Wenn ich eine Passion für Schokolade habe, dann besorge ich mir die beste, die es gibt.“ sagt sie über ihre künstlerische Agenda. Als ihre Produzenten fungierten einige der besten der internationalen Szene. Nach jazzigem Beginn an der Seite des österreichischen Weltklassegitarristen Wolfgang Muthspiel nahm sie Fühlung mit der internationalen Elite auf. So arbeitete sie mit Craig Street (Cassandra Wilson, Jimmy Scott, Bettye Lavette) und Malcolm Burn (Patti Smith, Iggy Pop). Unter Craig Streets Regie spielte sie 2009 ihren vielleicht schönsten Song ein: „Powder Room Collaps“, geadelt durch grandiose Sidemen wie Marc Ribot und David Piltch, ist geradezu eine Hymne des Zweifels. Verschattete Innenwelt versus die Erfordernisse des schönen Scheins lautet der darin behandelte Konflikt.

Showbusiness oder Soulfulness – Rebekka Bakken entscheidet sich im Zweifelsfall für die Authentizität. Mochte zu Beginn ihrer Karriere noch mancher von einem Zuviel an Süsse überwältigt worden sein, heute überrascht zuweilen eine sängerische Herbheit, die kontrapunktisch zu ihrer Schönheit steht. Im Mittelpunkt ihrer Kunst steht längst ihre diffizile, vielschichtige Persönlichkeit. Produzent Malcolm Burn lockte 2011 auf „September“ die Klavierspielerin in Bakken hervor. „Ich spielte Piano, obwohl ich das Instrument gar nicht so gut beherrsche. Aber manchmal ist es so, dass der größte Feind des Klaviers der Klavierspieler ist. Technische Beschränktheit gibt dir eine Menge Freiheiten. Da hat die Musik die Chance sich auf eine Weise zu entwickeln, wie es beim Virtuosen nicht möglich wäre. Mir hat es jedenfalls viel gegeben, dass ich Teil einer musikalischen Situation sein kann und andere Musiker mit meinem Spiel inspirieren kann.“
Rebekka Bakken ist rastlos geblieben. Das läßt sich auch an ihren Wohnortswechseln ablesen. Mal lebte sie in einem Blockhaus in der schwedischen Provinz, dann wieder in New Yorks schicken Downtownviertel SoHo. Und zuweilen auch in Wien. Hier lernte sie den viel zu früh verstorbenen Wiener Melancholiker Ludwig Hirsch kennen. Irgendwann stand sogar ein Album voll mit Interpretationen seiner Lieder im Raum. Realisiert hat sie es bislang nicht. Eine Kostprobe dieser Vision gibt es auf „most personal“ zu hören. Das in einem behutsam zwischen Wiener Dialekt, Hochdeutsch und Norwegisch changierende „Der Schnee draußen schmilzt“ ist von rarer Erhabenheit.

„September“ hieß ihr vorletztes Album. In diesem Monat erscheint auch ihre erste Werkschau. „September ist eine Metapher für das Ende und für den Anfang von etwas. Ich mag es nicht, wenn die Leute das Sommerende bejammern. Der Herbst ist die viel schönere Jahreszeit.“ Der Herbst macht die permanente Verwandlung, die Zyklen des Lebens anschaulich. Nach den goldenen Tagen im Oktober lauern die Nebelwochen, die zur Kontemplation einladen. Rebekka Bakkens Lieder sind existenzielle Vignetten, die als ideale Anregung für herbstliche Nachdenklichkeit dienen können. Die menschliche Hinfälligkeit, der graduelle Verfall, der Kampf um die eigene Identität, die Zumutungen des Alters – alles Themen, die Bakken berührt.

„Ich sage immer, die Jugend wird an der Jugend verschwendet. Wenn man jung ist, weiß man nichts damit anzufangen. Zu altern ist das Beste, das es gibt im Leben. Du kannst du das Leben viel mehr genießen. Du bekommst eine gewisse Tiefe und hast viel weniger Angst. Und das Beste, was mit den Jahren kommt, ist, dass du weniger stupide bist. Ich möchte es so vorsichtig ausdrücken. Die Verringerung der eigenen Blödheit ist etwas total Positives.“ Und dann ist da noch die Gelassenheit, mit der das Alleinsein erlebt wird. Das neue „Used To Be My Movie“ reflektiert das Einzelgängerische, das sich zuweilen nach dem Idyll einer Zweisamkeit verzehrt, im Grunde jedoch selbst genügt. Soferne es von einer guten Melodie getragen ist. Der Schmerz ist halt der große Lehrer des Menschen. Unter seinem Hauch entfalten sich die Seelen.

Doch Rebekka Bakken kann durchaus auch fidel sein. Die emotionale Wetterlage in ihren Liedern kann jäh umschlagen. Mal ist es Humor wie im neuen „Waiter & Cake“, wo sie über süsse Tröstungen flötet, dann wieder ist ihr bewundernswertes Phlegma, das sie über Flegeleien, wie sie in „As I Lay Myself Bare“ angedeutet werden, hinwegrettet. Über all die Jahre hat sie ruhelos Musiker gewechselt und Arrangements verändert. Was beinah gleich geblieben ist, ist ihre markante Stimme, die die Fans in die Stratosphäre höchster Emotionalität katapultiert. Wer Rebekka Bakkens bemerkenswerte Gegenwelt nicht kennt, für den ist „Most Personal“ die beste Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen. Treue Fans bekommen fünf neue Songs und Klassiker in neuer, spannender Dramaturgie zu Gehör. Leidenschaft, Herzenswärme, Humor, Anmut, Verstand – Rebekka Bakken versteht es, all dies in ihrer Liedkunst zu verbinden.

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Rebekka Bakken
© Andreas H. Bitesnich
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