Onkel Wanja – die Sitcom

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Alle Termine unter http://bronski-gruenberg.at/

Regie: Dominic Oley
Text: Julia Edtmeier
Bühne & Kostüm: Kaja Dymnicki & Mary-Jane Fritsch

Darsteller: Gerhard Kasal, Agnes Hausmann, David Oberkogler, Nicolaus Hagg, Julia Edtmeier & Dominic Marcus Singer

 

Tschechow ist lustig. Und zwar sehr.

„Onkel Wanja“ zeichnet seine Charaktere als Figuren verschiedenen Standes und Alters, die von außen ihren eigenen Stillstand beobachten und beschreiben, in Erinnerungen und Zukunftsfantasien schwelgen, jedoch das Jetzt, in dem sie Leben, nicht als veränderbares Momentum und sich selbst nicht als handlungsfähige Individuen erkennen.
Lieber wird über das Unglück debattiert und ein Schuldiger dafür gesucht. Eine antike, sowie aktuelle Kunst des Menschen sich die Zeit zu vertreiben.
Die Komödie steckt dabei in den Charakteren selbst, ihrer Verschrobenheit, ihrer Selbstverliebtheit, dem Umgang miteinander, ihren naiv-intellektuellen Überlegungen und dem Versuch von der Couch aus ihr Leben, oder noch besser – die Welt – zu verändern.

Die Sitcom ist ein schnelles und schnelllebiges Medium, das nicht nur in hoher Geschwindigkeit produziert wird, sondern auch ebenso schnell konsumiert werden kann. Fastfood-Unterhaltung, die – in knackigem Format daherkommend – einem ein Stück Freizeit verkauft.
In der Sitcom gibt es ein Problem, ein kleines Drama, das Scheitern steht im Raum, und am Ende wird wieder alles gut. Es gibt keine großen Veränderungen, den Charakteren passiert nie etwas ganz Tolles oder sehr Schlimmes, nie würde jemand sterben oder im Lotto gewinnen.

Die 6 Hauptcharaktere, die miteinander emotional verwoben und auf verschiedenen Ebenen voneinander abhängig sind, bilden das Herz der Sitcom, sowie des Stückes Onkel Wanja.
Ein Raum, der den Stillstand symbolisiert, und gleichzeitig als pulsierender Ort für alle Erlebnisse fungiert. Es gibt Liebesgeschichten, Sehnsüchte, familiäre und finanzielle Abhängigkeiten, große philosophische Versuche, ehrliche Töne und übertriebene Eitelkeit.

Wanja selbst ist ein gescheiterter Schriftsteller, der sich als Couchpotato und selbsternannter Philosoph seit Jahren nicht von seinem Sofa trennt, um sich lieber seinen verwinkelten Gedanken, als seinen wahren Problemen zu stellen.
Dies ermöglicht ihm Sonja – seine Cousine. Sie finanziert ihnen beiden das Leben mit mehreren Jobs, hat dabei jedoch nur eine einzig wahre Leidenschaft: Doktor Astrow. Ein wenig ambitionierter Arzt, der das seines Berufes innewohnende Ansehen zwar genießt, kann weder Blut sehen, noch andere, als sehr oberflächliche Empfindungen, für sein Umfeld hegen.
Er schätzt jedoch die Ästhetik der Natur und somit auch die unserer „schönen Elena“.

Sie ist das Mädchen, das man entweder immer haben oder sein wollte. Schön, cool, schlagfertig, verwegen. Manchmal auch ein wenig unbeholfen, was sie noch attraktiver macht. Man muss sie mögen, obwohl man sie hassen will.

Ihr Mann, der Professor, ein Hypochonder, dient als perfekte Projektionsfläche für Wanjas Unzufriedenheiten.
Im Professor finden alle früher oder später ihr Feindbild – den Ursprung alles Bösen, den Überbringer der Lähmung -, der dies aber gekonnt abschüttelt und als Hobby-Politiker und überzeugter Kapitalist als Treibstoff für seine eigenen Interessen nutzt.

Einzig und allein Telegin – der ewige Mitbewohner und Fußmatte der Clique – harrt brav auf seinem von Leben und Umfeld zugewiesenem Platz aus, ist Zeuge aller Streitigkeiten seiner „Freunde“ und versucht als lebensbejahender Buddha zu vermitteln.
Er hat durch unzählige Verletzungen in seinem Leben gelernt Negativität auszublenden und sich ein endloses Lexikon an Lebensweisheiten angesammelt.
Man müsste ihm nur einmal zuhören, doch die Lücke zwischen den Texten ist nie groß genug.
Während alle vertieft in ihre egoistischen Handlungen die Zeit totschlagen, braut sich ein Tornado zusammen, der schlussendlich alles aus den Fugen geraten lässt. Übrig bleibt eine Verwüstung des Innenlebens der Charaktere, die zu Entscheidungen führt. Oder führen sollte. Doch das Wohnzimmer bleibt unversehrt und zwingt demnach zu keinerlei Veränderung. Alles bleibt also beim Alten. Happy End?

„Onkel Wanja – die Sitcom“ wird in vier 20-minütigen „Folgen“ (Akten) erzählt und hat dabei ganz tief in die amerikanische Büchsenlacher-Trickkiste gegriffen, ohne auf die stetige Verhandlung existenzieller Probleme zu verzichten.

20220215

 

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